Montag, 15. August 2016

Alexander Drews: Antes de Morir


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Inhalt:
Die junge Reporterin Sandra erhält den Auftrag, eine Artikelserie über historische Orte zu verfassen. Zum Auftakt soll sie über die ehemalige Bergarbeitersiedlung "Tijodatantalas" berichten, die völlig abgelegen und verlassen inmitten einer Bergkette im spanischen Hinterland liegen soll. Gemeinsam mit ihrem Kollegen José, für den sie insgeheim mehr als nur freundschaftliche Gefühle hegt, macht sie sich auf den Weg. Vor Ort müssen die beiden feststellen, dass die Siedlung alles andere als verlassen ist. Nach und nach decken die zwei ein dunkles Geheimnis auf, welches sie besser hätten ruhen lassen ... (Quelle: amazon.de)

Meine Meinung:
Der Prolog stellte einen gelungenen Einstieg in die Geschichte dar, man  hatte die ersten paar Seiten keinen blassen Schimmer, worum es überhaupt geht, geschweige denn, wo man sich befindet. Man rätselt, und rätselt, ehe man vom Autor selbst erlöst wird - aber nur teilweise.

Zu Beginn lernen wir erst mal die beiden Protagonisten Sandra und José kennen.
Sandra hat ihrer Heimat Deutschland den Rücken gekehrt und versucht nun, in Spanien als Journalistin Fuß zu fassen. Zusammen mit ihrem Kollegen José, auf den sie heimlich mehr als nur ein Auge geworfen hat, soll sie über ein Minenunglück in der ehemaligen Bergarbeitersiedlung "Tijodatantalas" (was für ein Zungenbrecher, daran bin ich beim Lesen mehr als nur einmal hängen geblieben) berichten.

José - feuriger Spanier, der er ist - ist leider etwas leicht zu durchschauen. Natürlich weiß er um Sandras Gefühle für ihn, obwohl es dazu aus meiner Sicht keine Hinweise gab, bzw. Sandras Verhalten ließ es nicht wirklich offensichtlich erscheinen. Vielleicht hat er ja ein Radar für sowas, jedenfalls ist er ein richtiger Casanova, der nichts anbrennen lässt, aber Sandras Gefühle nicht erwidert. Nicht, weil sie nicht gut aussehen würde, sondern weil er nichts Ernstes will.

Nach einer kurzen Recherche, wovon den größten Teil ihre über alles gehasste Chefin Carmen übernommen hatte, steigen Sandra und José ins Auto und begeben sich auf die Reise in Richtung der alten Mine. Das hätten die beiden mal lieber bleiben lassen sollen ...

Die Figuren selbst sind etwas blass, ich hätte mir da mehr Input gewünscht. Über Sandra erfährt man so einiges, José und Carmen hingegen bleiben nur Schemen, über die man sich selbst was zusammenreimen muss.

Die Kapitelaufteilung fand ich etwas seltsam - die teilweise viele, viele Seiten umfassende Kapitelunterteilung hätte dazwischen locker noch ein paar mehr Kapitel vertragen. Zumal in den einzelnen Kapiteln extreme Zeitsprünge geschehen und einen beim Lesen etwas verwirren. Nach ein paar Sätzen weiß man dann zwar, dass man sich jetzt wohl wieder in der Vergangenheit befindet, es irritiert aber dennoch.

Das Setting ist in Spanien - springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Dadurch liegt der Story eine düstere Stimmung zu Grunde. Alles ist etwas nebulös, man hat keine Ahnung, was einen auf der nächsten Seite erwartet. Auch wenn man das Handeln der Figuren etwas vorhersehen konnte, die Handlung des Buches war hingegen absolut unvorhersehbar. Trotz aller Warnungen - Sandra und José wagten die Reise ins Ungewisse und zogen den Leser an einer unsichtbaren Leine mit sich. Ob man wollte oder nicht.

Fazit:
Alles in allem ein sehr gelungener Horror-Thriller mit einer Prise Gefühl, das in meinen Augen fast ein wenig zu kurz gekommen ist.

Samstag, 9. Juli 2016

Jo Berger: Ein Engel für Jule


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Inhalt:
Jule ist seit zwei Jahren mit ihrem Freund Simon zusammen und wünscht sich nichts sehnlicher, als ihn endlich zu heiraten. Dabei stört sie sich nicht mal an der Tatsache, dass er es in den zwei Jahren ihrer Beziehung noch nicht einmal geschafft hat, sie seinen Eltern vorzustellen. Aber so ist das nunmal, wenn man einen Workaholic zum Freund hat: Geschäftsessen hier, ein Meeting da, eine Geschäftsreise dort, Überstunden bis zum Abwinken. Da bleiben manche Dinge eben auf der Strecke.
Sämtliche Versuche ihrer Freundinnen, Simon als das zu enttarnen, was er ist, laufen ins Leere. Da kann nur noch ein Wunder helfen ...

Meine Meinung:
Hach, was für eine zuckersüße Story. Aber der Reihe nach ...

Dieses Buch vereint alle Elemente, die für mich persönlich ausschlaggebend sind, damit ich zu einer Schmonzette greife. 
Im Vordergrund steht eine Liebesbeziehung, die aus meiner Sicht zum Scheitern verurteilt ist. Klar, man sollte es nicht tun, tut es aber trotzdem: sich am Unglück anderer laben ... :D Ich habe mich mehr als einmal erwischt, als ich dachte "Du dumme Nuss!", "Wie kann man nur so blind sein?" oder "Gott, Mädel, bist du doof!". Automatisch erteilt man der lieben Juliane (Jule) in Gedanken Ratschläge und wünscht ihr eigentlich nur eines: dass sie endlich ihre Augen öffnet und nicht mit ausgebreiteten Armen in ihr Unglück rennt.
Die komplette Story ist mit Witz und Charme gewürzt und an vielen Stellen wird man von Situationskomik herrlich unterhalten.
So traurig die Beziehung zwischen Jule und Simon erscheinen mag, so herrlich spritzig sind die Ereignisse und Dialoge drum herum.
Es gibt was zu Lachen, was zum Schmunzeln, was zum Nachdenken, was zum Weinen. Man ärgert und freut sich mit Jule, man lacht und weint mit ihr. Für jede Gefühlsregung ist das Passende dabei.

Die Figuren waren mir beinahe allesamt (bis auf Simon) sofort sympathisch und ich fühlte mich als Leser nicht als stiller Beobachter in die Ecke gedrängt, sondern war mittendrin, statt nur dabei. Ich habe die Truppe beim Stalken begleitet, habe mit Jule gelitten, als sie einsam war, habe mit ihr Kaffee getrunken und mir einen hinter die Binde gekippt. 

Der Roman spielt in und um Heidelberg und Mannheim und "ein paar Etagen höher". Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten. Nur soviel: Jule hat göttlichen Beistand dringend nötig. Der Plot ist gut durchdacht und absolut wasserdicht.

Fazit: Dieser Roman hat mir gestern einige wundervolle Lesestunden beschert, auch wenn ich ihn in einem Rutsch durchgelesen habe (worüber ich mich im Nachhinein immer wieder ärgere!). Wer gerne lacht und sich vielleicht in einer ähnlichen Situation wie Jule befindet (was keinesfalls Voraussetzung sein muss!) oder sich einfach gerne von einer himmlischen Story mit Pfiff, Charme und Witz berieseln lassen möchte, ist hier an der richtigen Stelle. 

Donnerstag, 30. Juni 2016

Emily Bold: Im Urlaub mit Mr. Grey oder: Eine rote Badehose macht noch keinen Rettungsschwimmer!

Einige Zeit war es hier ruhig ... Zeit mal wieder etwas vom Stapel zu lassen.

Here we go!



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Inhalt:
Nach ihrem turbulenten Einsatz als Superspionin träumt Anna nun von einem erotischen Liebesurlaub mit ihrem Mr. Grey. Doch kurz vor der Abreise wird ihr klar, dass sie Marc nicht so gut kennt, wie sie gedacht hatte. Ihr Liebster entpuppt sich als leidenschaftlicher Camper. Statt all-inclusive unter Palmen, erwartet Anna das Abenteuer Wildnis in einem Zelt!

Mit einem Koffer voll Sexspielzeug und Dosenravioli will Anna das Beste aus der Sache machen, aber als eine himmlische Versuchung jegliche Erholung zunichtemacht, droht Ärger im Paradies.

In ihrer größten Not muss Anna erkennen, dass eine rote Badehose noch lange keinen Rettungsschwimmer macht.


Meine Meinung:
Emily Bold hat es mal wieder geschafft: Mit ihrer luftig-leichten SoG-Persiflage hat sie mich wieder zu Tränen gerührt - nicht geschüttelt! Zu Lachtränen!

Alleine die Szene mit dem "Pizzabäcker" Piacere ... die hat sich für die Ewigkeit in meine Hirnrinde eingebrannt. Solche Szenen gab es einige mehr, ich wäre vor Lachen beinahe von der Couch gefallen. 

Schade, dass das Büchlein in weniger als einer Stunde inhaliert war. Ich hoffe jedoch auf viele, viele Fortsetzungen von Anna und Marc. Denn die beiden sind wirklich zum Schießen komisch, wenn auch meistens unfreiwillig. Und mein Freund, der Fotzen-Harald, war natürlich auch wieder mit von der Partie!

Fazit: ein herrlich kurzweiliges Lesevergnügen für die tanzende innere Göttin ;)

Freitag, 15. April 2016

Markus Kastenholz: Suizid Blues



Inhalt:
Am Abgrund des Todes steht jeder irgendwann. Die einen stürzen hinab, die anderen nicht, nur um dann zu einem späteren Zeitpunkt zu fallen. Und manche machen diesen Schritt sogar freiwillig. Einige in der absurden Hoffnung auf ein besseres Leben.
Doch es gibt mehr als den physischen Tod.
Mehr als einen zerstörten Körper. Organe, die aufgehört haben zu arbeiten. Blut, das verklumpt und Fleisch, das verrottet.
Manch andere Tode erstrecken sich über ein ganzes Leben. Sie sind langsamer, quälender – schrecklicher!
Ohne Ausweg.
Ohne Gnade.
Ohne Hoffnung.
Einige davon zeigen sich in den Geschichten des vorliegenden Bandes …

Meine Meinung:
Die drei Kurzgeschichten in Suizid Blues von Markus Kastenholz haben alle etwas gemeinsam: Sie handeln vom Ende. Vom Tod. Vom Abgrund.
Am besten gefallen hat mir die zweite Geschichte "Das Gleichgewicht der Welt", die dritte Geschichte "Suizid Blues" war auch nicht ganz ohne. Die erste Geschichte war auch nicht schlecht, jedoch konnte sie mich nicht so sehr fesseln, wie die anderen beiden, was schlichtweg der Tatsache geschuldet ist, dass ich mich für Kriegsgeschichten eher weniger interessiere.

Sprachlich gesehen, sind die Storys eher weiter oben angesiedelt. Man entdeckt Ausdrücke aus längst vergangen Zeiten, die hier wieder zur Blüte kommen.

Wer abwechslungsreiche, gut durchdachte und Geschichten mit überraschenden Wendungen mag, der ist mit Suizid Blues bestens bedient. Alle anderen übrigens auch.


Dienstag, 12. April 2016

Stefan Steinmetz: Aufziehmädchen Emma (Steampunk/Fantasy)


Inhalt:
Professor Theodor Heisenberg heuert im Jahr 1910 ein Luftschiff an, um sich mit dem Kapitän Christian von Reichshofen, seiner Tochter Emma und seinem undurchsichtigen Diener Albert aufzumachen, das legendäre Land America aufzusuchen. Seine Tochter Emma besteht seit einem schweren Unfall aus mehreren "Ersatzteilen", so hat sie z. B. eine mechanische Lunge und ein Aufziehwerk anstelle ihres Herzens.
Während der Reise bahnt sich zwischen der neunzehnjährigen Emma und dem Luftschiffskapitän von Reichshofen eine Affäre an. In America angekommen entdecken sie allerlei fantastische Tiere und schnappen die Legende von einem großen Silberschatz auf. Sie machen sich auf die Suche nach dem Schatz, da Silber im fiktiven Königreich Bayern wesentlich wertvoller ist, als Gold.


Meine Meinung:
So viel zur Geschichte. Nun zum eigentlichen Buch. Das "Taschenbuch" hat 735 Seiten. Als Taschenbuch würde ich diesen Ziegelstein schon fast nicht mehr bezeichnen. Die Schrift ist so klein und die Zeilen sind so eng beieinander, dass ich immer nur wenige Seiten am Stück lesen konnte, bevor ich erschöpft einschlief. Ich hab mir dann ab der Hälfte die ebook-Version gekauft - auf die Idee hätte ich mal früher kommen sollen. Wäre das Buch in einer normal lesbaren Schriftgröße mit annehmbarem Zeilenabstand gedruckt, es hätte bestimmt 1.500 Seiten oder gar noch mehr. Ich habe ein knappes halbes Jahr gebraucht, um mich durch diese fantastische Geschichte zu lesen.

Die Geschichte um Emma und America ist wirklich toll. Steampunk ist für mich kein Neuland und so wiederholen sich hier natürlich viele Elemente aus gängigen Werken. Wäre die Schriftart, bzw. der Druck leserfreundlicher gewählt worden, oder das ganze auf zwei bis drei Bücher aufgeteilt worden, ich hätte 5 Sterne vergeben.

Fazit: schöne Lesestunden für Freunde des Steampunk-Genres.

Montag, 11. April 2016

Carmen Weinand & Thomas Williams: Dämonisch


Inhalt:
In "Dämonisch" wurden bereits bekannte Kurzgeschichten von Carmen Weinand wie z. B. "In dir", "Jenna" und "Freakbook" sowie eine neue "Ohne fu**ing Titel" und neue Kurzgeschichten von Thomas Williams vereint.

Ein Riesensalamander geht in "Jagd auf El Bocazas" in Süd- und Nordamerika auf Beutezug. Und nur einer kann ihn stoppen. Oder auch nicht?
In "90er Jahre Trashparty" wurde ich an meinen fürchterlichen Musikgeschmack der 90er erinnert. Zu Britney Spears, Eiffel65, Take That und 2Unlimited wird gemetzelt, was das Zeug hält. Passt bloß auf und klickt auf "Freakbook" ja nicht auf "Gefällt mir nicht" - die Konsequenzen könnten euch nicht gefallen. Genauso verhält es sich mit euren Wünschen: In "Ohne fu**ing Titel" seht ihr, wie viel mehr im menschlichen Körper steckt. Passt gut auf euch auf, wenn ihr "Jenna" begegnet. Mit ihr ist nicht zu spaßen. Und wenn ich an dieser Stelle etwas über "In dir" schreiben würde, würde ich schon viel zu viel verraten :D

Meine Meinung:
Klasse geschrieben, fesselnd erzählt. Auch wenn sich die Beschreibung mehr auf Charaktere und ihr Handeln bezieht, statt auf Gemetzel und Blutvergießen. Das nimmt den Geschichten aber keineswegs ihre Würze!

Fazit: ein quietschbuntes - quatsch: blutrotes! - Lesevergnügen. Stellenweise knackig kurz, andernorts fast schon etwas zu lang für eine Kurzgeschichte, aber dennoch an keiner Stelle langweilig. Unterhaltsam, schockierend und Angst einflößend. Genau das habe ich mir davon erwartet und ich wurde von keinem der beiden enttäuscht.

Christian Biesenbach: Das hundsgemeine Leben


Inhalt:
Freundin weg. Im Studium gescheitert. Sein Leben: ein Scherbenhaufen.
Als Thomas eines Morgens zusammenbricht, weiß er einfach nicht mehr weiter. Perspektive? Fehlanzeige. Einen Plan B? Hat er genauso nicht.
Doch dann sorgt sein Bruder Mike dafür, dass er eine Reise auf einem Containerschiff von Rotterdam nach Mexiko antritt, und katapultiert ihn damit geradewegs in ein unerwartetes Abenteuer.
Unter anderem trifft Thomas dabei auf Tina, Studentin, Globetrotterin, Single, die es schafft, ihn aus der Vergangenheit zu reißen und ihn daran erinnert, was im Leben wirklich zählt. Die sich anbahnende Romanze wird allerdings bald schon gestört und Thomas' neu gewonnener Lebensmut auf eine schwere Probe gestellt. Denn das Schiff steuert geradewegs in einen lebensbedrohlichen Sturm hinein. (Quelle: amazon.de)

Meine Meinung:
Du glaubst alles läuft glatt und könnte nicht besser für dich laufen? Du glaubst du hast alle Stricke in der Hand und alles im Griff? Doch was ist, wenn von heute auf morgen nichts mehr so ist, wie es mal war?
Genau das passiert Thomas E. Von heute auf morgen verlässt ihn seine langjährige Freundin Jenny und er stürzt in ein tiefes Loch. Seine Familie tut was sie kann, um ihn daraus zu befreien. Erst eine Reise auf einem Containerschiff von Rotterdam nach Mexiko bringt ihm zurück, was er verloren hat: seinen Lebensmut und eine Perspektive. Jedoch ist auch dieses Glück nur von kurzer Dauer ...

Christian Biesenbach beschreibt in "Das hundsgewöhnliche Leben" ein Leben, dass alles andere als hundsgewöhnlich ist. Es ist gemein, niederträchtig und findet überwiegend auf der dunklen Seite statt. Während des Lesens war ich direkt froh, dass ich bisher noch nicht in so einer ausweglos-beschissenen Situation war.

Das Buch ist relativ flott gelesen, was zum einen am flüssigen und nahezu fehlerfreien Stil von Christian Biesenbach liegt. Sprachlich würde ich es schon fast als etwas gehoben mit einem Touch Philosophie beschreiben. Es tut was ein gutes Buch tun soll, es regt zum Nachdenken an. Das ist wieder einmal eines von wenigen Büchern, dass mich auch über die Lesezeit hinaus begleiten und beschäftigen wird. Danke dafür!

Montag, 28. März 2016

Adam Millard: Larry (eine Horror-Komödie)


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Inhalt:
In den Jahren zwischen 1975 und 1978 terrorisierte Larry »Schweinegesicht« Travers das Camp Diamond Creek, wo er mehr als 100 notgeile, zugekiffte Teenager mit seiner Axt (die Machete hatte sich bereits ein Typ aus New Jersey gekrallt) zerstückelte und sich einen gewissen Ruf erarbeitete. Das Leben konnte für einen Psycho-Schlächter wie ihn nicht besser laufen.

1978 wurde er dann allerdings vom letzten weiblichen Opfer seiner jährlichen Tour reingelegt, gefangen genommen … und ein wenig in Brand gesetzt. Man hielt ihn für tot, Larry Travers verschwand, doch seine Legende lebte weiter.

2014: Larry lebt in den Wäldern bei seiner herrischen und etwas altmodischen Mutter. Er hat nun ein Alter erreicht, in dem er in Ruhe Bingo spielen oder Puzzles lösen könnte, ohne sich dafür schämen zu müssen. Doch der Drang zu töten kehrt zurück, und Larry glaubt, er hätte noch immer das Zeug zu einem gemeingefährlichen Psychopathen. Schweinegesicht ist zurück. Nur um einiges älter …

Meine Meinung:
Was passiert, wenn ein Hinterwäldler-Serienkiller von den Gebrechen des Alters nicht verschont bleibt? Was geschieht, wenn ihn die Mordlust im hohen Alter nochmal überkommt? Was passiert, wenn er sich nicht mehr bremsen kann? Richtig: Es wird lustig! Noch lustiger wird es, wenn man erfährt, dass die fast hundertjährige Mutter mit einer Stumpenkerze ... ach, lest selbst.

Hillbilly-Splatter trifft auf die heutige Jugend - das kann nur komisch werden.

Erinnert ein wenig an die SCREAM-Filme (wegen der Maske) und die Scary-Movie-Reihe (weil diese Filme wie SCREAM, etc. auf's Korn nehmen). Die Story ist so klischeeüberladen, dass sie gerade deshalb schon wieder urkomisch ist. 

Fazit: ein kurzweiliges (weil extrem lustig!) Lesevergnügen für zwischendurch. Die Bezeichnung Horror-Komödie trifft den Nagel auf den Kopf.

Sonntag, 13. März 2016

Heinz Strunk: Der goldene Handschuh



Inhalt: 
Dieser phantastisch düstere, grell komische und unendlich traurige Roman ist der erste des Autors, der ohne autobiographische Züge auskommt. Ein Strunkbuch ist es trotzdem ganz und gar. Sein schrecklicher Held heißt Fritz Honka – für in den siebziger Jahren aufgewachsene Deutsche der schwarze Mann ihrer Kindheit, ein Frauenmörder aus der untersten Unterschicht, der 1976 in einem spektakulären Prozess schaurige Berühmtheit erlangte. Honka, ein Würstchen, wie es im Buche steht, geistig und körperlich gezeichnet durch eine grausame Jugend voller Missbrauch und Gewalt, nahm seine Opfer aus der Hamburger Absturzkneipe „Zum Goldenen Handschuh“ mit. Strunks Roman taucht tief ein in die infernalische Nachtwelt von Kiez, Kneipe, Abbruchquartier, deren Bewohnern das mitleidlose Leben alles Menschliche zu rauben droht. 

Mit erzählerischem Furor, historischer Genauigkeit und ungeheurem Mitgefühl zeichnet er das Bild einer Welt, in der nicht nur der Täter gerichtsnotorisch war, sondern auch alle seine unglücklichen Opfer. Immer wieder unternimmt der Roman indes Ausflüge in die oberen Etagen der Gesellschaft, zu den Angehörigen einer hanseatischen Reederdynastie mit Sitz in den Elbvororten, wo das Geld wohnt, die Menschlichkeit aber auch nicht unbedingt. Am Ende treffen sich Arm und Reich in der Vierundzwanzigstundenkaschemme am Hamburger Berg, zwischen Alkohol, Sex, Elend und Verbrechen: Menschen allesamt, bis zur letzten Stunde geschlagen mit dem Wunsch nach Glück.

Meine Meinung:
Gott oh Gott - was für ein Buch.
Tragisch, komisch, hoffnungs- und schonungslos. Mir wurde als Leser wirklich nichts erspart und das ist auch gut so. Heinz Strunk zeichnet im Präsens ein St. Pauli im 70er Jahre Stil, das den Leser in seine Untiefen einlädt.

Ein einziges Mal in meinem noch recht jungen Leben habe ich freiwillig einen Fuß in eine Frankfurter Szene-Kneipe gesetzt, die schon seit knapp 20 Jahren nicht mehr exisitert: der/die/das "Schlappekicker". In meinen schlimmsten Fantasien hätte ich mir so etwas nicht vorstellen können und doch gibt es solche Orte. Genau so stelle ich mir den "goldenen Handschuh" vor. Ein Treffpunkt für verlorene Existenzen und solche, die auf dem besten Weg dorthin sind.

Heinz Strunk skizziert präzise Fritz Honkas Werdegang vom windigen Handtuch zu einem der bekanntesten Frauenmörder Hamburgs. Wie auch bei Stephan Harborts Büchern, wird hier nicht mit erhobenem Zeigefinger auf den Täter gezeigt, sondern sein Leben und seine drastisch-dramatische Entwicklung vor einem ausgebreitet. Es stehen weniger Fritz Honkas Taten im Vordergrund, sondern sein Leben. Wie und wo er seine Freizeit verbringt, seine vergeblichen Versuche sich sein Stück vom Glück zu angeln. Als er schließlich selbst merkt, dass alles etwas aus dem Ruder zu laufen beginnt, ist es bereits zu spät.

Zwischen den Zeilen riecht man förmlich den Gestank nach Exkrementen, Schweiß und sämtlichen anderen möglichen und unmöglichen Körperausdünstungen. 

Stellenweise heitert das Buch etwas durch Situationskomik auf, etwa die Hafenrundfahrt. Gott, was habe ich mit dem Kapitän gelacht. Auf der anderen Seite ist die Geschichte mit Tragik gespickt. Fritz Honkas mit Prügel, Unterjochung und Missbrauch geteertes Leben. Dabei sehnte er sich nur nach Glück und Anerkennung. Doch beides entschwand ihm wie glitschige Aale aus den Händen. Kaum meinte er, endlich mal etwas erreicht zu haben, läuft es sogleich wieder richtig aus dem Ruder.

Alkoholmissbrauch, ein Leben in einer stinkenden Ruine - zugemüllt bis zum Geht-nicht-mehr - man möchte sich solche Umstände gar nicht genauer vorstellen und doch gibt es sie.
Der "Abschaum" unserer Gesellschaft trifft in diesem Buch auf die "Schaumkrone" der Selben. Alt und jung - arm und reich: Beim Saufen sind sie alle gleich.

Heinz Strunk hat einen Roman geschaffen in einer Gossensprache, die man nur beherrscht, wenn man a) lange genug Kontakt zu denen hatte, die sie flüssig sprechen oder b) das Milieu mit eigenen Augen gesehen, mit eigenen Ohren gehört und mit der eigenen Nase gerochen hat. Anders kann ich mir wahrhaftigen Dialoge nicht vorstellen. Die Beschreibungen der Lokalitäten, der traurigen Existenzen, der Stammgäste im "goldenen Handschuh". Alles das trägt dazu bei, dass ich mich als Leser fühlte, als säße ich live am Tresen mit dabei und würde einen Fako nach dem anderen mit Anus & Co. heben.

Fazit: ein Roman, der so düster und grell zur gleichen Zeit ist, dass er einen vor Dunkelheit geradezu blendet.

Freitag, 11. März 2016

Stephan Harbort: Der klare Blick





Inhalt:
Hauptkommissar Stephan Harbort gehört zu Deutschlands Top-Profilern – sein Tagesgeschäft ist es, komplexe Situationen zu entschlüsseln und Kriminalfälle mit Blick für die Täterpsyche zu lösen. Fähigkeiten, die auch für den Alltag sehr hilfreich sind: Was tun bei Problemen mit dem Chef? Wie Konflikte mit den Nachbarn entschärfen? Harbort gewährt Einblick in die Methodik der operativen Fallanalyse und gibt ein Instrumentarium an die Hand, das es jedem ermöglicht, die eigene Wahrnehmung zu schärfen, um mit klarem Blick Krisen zu bewältigen und richtige Entscheidungen zu treffen.

Meine Meinung:
Ich muss zugeben, dass das Buch eine richtige Herausforderung war. Gespickt mit Fachbegriffen aus dem Profiling, der Tatort-Analyse, aus der Spurensicherung ... das war zu Beginn echt nicht ganz einfach. Mit der Zeit - und auch dank der anschaulichen praxisbezogenen Beispiele - kam man aber ganz gut rein und so stand der persönlichen "Spurensicherung" nichts mehr im Weg.

Die Profilierung des Alltags ist schwerer, als man denkt. Während man in der Psychologie auf fundierte Kenntnisse zurückgreifen kann, werden wir im Alltag durch Erfahrungen und Routinen ausgebremst. Das ist auf der einen Seite natürlich sinnvoll, um den Alltag mit all seinen Aufgaben zu erleichtern, auf der anderen Seite drängt es uns in eine Art Tunnelblick. Wir neigen dazu, vieles für bare Münze zu nehmen, ohne es zu hinterfragen.

Stephan Harbort zeigt in seinem Buch "Der klare Blick" viele verschiedene Möglichkeiten auf, um Eindrücke, Aussagen, etc. geschickt zu hinterfragen, ohne dabei "schnüffelnd" zu wirken oder gar den Eindruck zu erwecken, dass man alles hinterfragen möchte. Das Buch ist auch nicht dazu da, alles und jeden zu hinterfragen. Es bietet viele verschiedene Möglichkeiten, verschiedene Situationen, in denen ein klarer Kopf gefragt ist, zu durchleuchten. Das ist z. B. nötig, wenn eine Entscheidung großer Tragweite von Nöten ist. Hier kann das Buch eine große Stütze sein.

Das Buch ist in verschiedene Kapitel mit verschiedenen Fällen gegliedert und startet jeweils mit einem bekannten Zitat. Allein die den Kapiteln vorangestellten Zitate lassen den Leser seinen eigenen Blickwinkel erkennen. 

Fazit: es kommt nicht darauf an, alles und jeden zu hinterfragen. Bestimmte Situationen erfordern einfach einen anderen Blickwinkel, um die richtige Entscheidung treffen zu können. Hier ist das Buch ein große Hilfestellung.